Es gibt ja so Sehenswürdigkeiten, die sind gar keine. Zumindest nicht offiziell.
Aber man hat mal irgendwann was drüber gelesen. Oder gehört. Oder, wie in meinem Fall, Fotos und sogar einen ganzen Fotoblog gesehen.
Und dann muss man da unbedingt selber mal hin.

Habe ich gemacht. Ich bin zum Bahnhof Ostkreuz gefahren, den ich aus Ralfs Fotografien schon so gut zu kennen glaubte … und als ich da war, habe ich verstanden, warum er all diese Fotos gemacht hat, denn ich stand in einer Baustelle, um mich herum größtenteils Bruch.
Die Fotos, die Ralf gemacht hat, hätte ich zu großen Teilen nicht mehr nachfotografieren können. Da war nichts mehr davon da.

Insofern sind meine Fotos nun eher die pixelgewordene Frage  ”was will ich hier überhaupt?” – mit einem dramatischen Himmel, der sich vor dem Osterschneestürmchen über der Stadt aufplusterte.


Im Land der vermeintlichen Feinde

Heute gibt es von mir einen Blog ans Herz gelegt.
Wir sind alle so wunderbar im Reden. In der Theorie. Im Träumen. Wie es sein könnte, sollte, würde und müsste.

Dieser junge  Mann, den Ihr bestimmt schon einmal auf dem einen oder anderen Foto von mir gesehen habt, hat den Konjunktiv beiseite gelegt und ist losgefahren.
In einem kunterbunten Bus in Richtung Indien.
Momentan ist er noch im Iran und was er von dort erzählt, hat nicht so viel mit unserem durch Schlagzeilen und Sensationsfotos entstandenen Bild dieses Landes zu tun.

“In fact no one of these helpful, loving people could ever be my enemy.”

Während also durch unsere Medien ein Bild von einem gewaltbereiten Atomstaat in die Vorstellung der Bevölkerung eingeprägt wird, trifft ein deutschsprachiger Europäer auf ausgesprochen hilfsbereite Menschen und fühlt sich willkommen und herzlich aufgenommen.
Der Feind bleibt wohl nur so lange Feind, wie wir nicht seine Hand warm und lebendig auf unserer gefühlt haben.

Auch wer wenig Englisch versteht, wird in den Bildern etwas sehen können, was mit Worten gar nicht ausgedrückt werden kann.

Vielleicht wird jetzt mein ans-Herz-legen deutlicher.
Es gibt keinen dringenderen Augenblick als diesen, zu entdecken, wie schön der Iran ist und dass dort Menschen leben, deren Herz groß ist und die ganz anders als wir es kennen, Fremde mit offenen Armen empfangen.

www.HariOm.at

woman in iran people in iranpeople in iranwomen in iranpeople in iranpeople in iran

GrödeGröde HalligkioskGröde keep it simple IIGröde keep it simpleGrödeGröde Halligflieder
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Hallig Gröde, ein Album auf Flickr.

Hooge KirchwarftHoogeHoogeHoogeHoogeHooge
HoogeHoogeHoogeHoogeHooge Kirchwarftziemlich dekorative Flechten
HoogeHoogeHoogeHoogeHoogeHooge
sogar mit Grubentüchern!kick it like BrarHallig Muh

Hallig Hooge, ein Album auf Flickr.

Das Ergebnis ein neblig-dunkeln Sonntagnachmittags.

1994 war ein spannendes Jahr. Seine letzten  Monate haben in meiner Erinnerungskammer mehr Platz als die meisten anderen Jahre meines Lebens zusammen.

Ich rieche noch die letzten nasskalten Novembertage in Soho, bevor es zurückging in den Göttinger Kachelofen zum Weihnachtsmärchen, das für mich in dem Jahr auch jenseits der Bühne weiterging, da mir in jenem Dezember eine meiner großen Lieben zum ersten Mal gegenüberstand.

1995, das tragische Jahr der 1000 Ärzte und nicht enden wollender Versuche, mein vermutet viel zu kurzes Leben zu raffen und in einem Jahr zu leben, solange es noch ging … das erste Mal am Meer, die anstrengende Reise zum Konzert, die Wolken, die über mir flogen, als ich im Gras an der Leineaue lag, die kurzen engen Kleider, die durchgeschriebenen Nächte, an deren Ende Stapel voll Papier eng beschrieben mit Gedanken und Gefühlen lagen, …  aber die Prognose lag wohl ein wenig neben der Wahrheit, so vorsichtig kann ich das fast 17 Jahre später dann fröhlich formulieren.

Dann kam dieser funkelnagelneue Minimensch in mein Leben, der wieder alles so spannend auf den Kopf gestellt hat. Das erste Lächeln. Das erste Wort. Die ersten Schritte. Die erste Widerrede. Der erste Wackelzahn. Der erste Schultag.

Alle diese Dinge liegen sicher und leicht erreichbar in meiner Erinnerung. Manchmal führen sie ein Eigenleben und tauchen plötzlich in einem nicht sehr passenden Moment auf. Aber sie sind da.

Und dann gibt es hier in meinem Bücherregel einen Stapel mit Kalendern.
Einen für jedes Jahr. Viele bunte Exemplare dabei und die meisten aber dunkelblau, denn irgendwann habe ich die wunderbaren Bilder von Quint Buchholz entdeckt und nur noch seine Kalender gekauft.

In diesen Kalendern ist das gespeichert, was mein Herz nicht speichern mag.
Die genaue Bezeichnung der Medikamente, die Uhrzeit zum Ultraschalltermin, der Name der Amtsärztin, die die Einschulungsuntersuchung machte.

Alles nicht lebenswichtig. Aber an so manchem Eintrag hängt dann der Eingang zu Erinnerungen, die weiter hinten, nicht so ganz leicht zugänglich lagern.
Und manchmal findet sich ein flüchtiger Satz der Liebe oder des Entsetzens dort, hastig hingekritzelt, bevor der Zug ankam. Manchmal auch Namen, die mir nichts mehr sagen oder Buchempfehlungen, die ich von Mitreisenden bekam.

Eine gewisse Melancholie erfasst mich, wenn ich die Kalender sehe. Eine kleine äußere Zusammenfassung meines Lebens liegt dort.  Vielleicht eines Tages eine Schatzkiste, wenn meine Erinnerung nachlassen sollte.

Und dann liegt hier neben mir, extra für diesen Blogeintrag aus dem Regal genommen, der Kalender für 2011.
Ich muss zugeben, dass ich überrascht bin, dass doch noch so viele Einträge darin sind. Denn früher hatte ich den Kalender immer dabei, entsprechend sehen die alten Exemplare auch aus. Der diesjährige Kalender liegt das ganze Jahr über nur Zuhause. Termine werden mittlerweile eher im Mobiltelefon und im Rechner gespeichert. Ein Kalender hat nunmal keinen Zen-Gong, mit dem er mich daran erinnert, dass ich mich morgen mal anständig kleiden sollte, weil ein wichtiger Termin ansteht.

Und eigentlich wollte ich mit diesem Blogeintrag ein bisschen bedauern, dass ich im kommenden Jahr zum ersten Mal keinen Kalender aus Papier haben werde, sondern nur noch digitale Kalender nutzen werde.
Stattdessen blättere ich durch die Seiten, bestaune die wunderschönen Bilder, erinnere mich an den entspannten Tag in Husum im Sommer, der mir ohne diesen Papierkalender nicht wieder eingefallen wäre und beschließe, meinen Plan sofort und radikal zu ändern.

Ein Papierkalender für 2012 muss her, jawohl! Und mit ihm der gute Vorsatz, mehr zu dokumentieren, bei dieser Gelegenheit meine Handschrift zu üben, damit ich sie nicht verlerne.

Meinen letzten Kalender habe ich im vergangenen Dezember in Husum gekauft. Dort war bereits der Weihnachtsmarkt geöffnet und es wurde gar nicht mehr richtig hell. So ein richtiger nordfriesischer Dezember eben.

Ich bin gespannt, wie der Tag sein wird, an dem der nächste schöne Kalender in mein Leben kommt … :-)

Inspiriert von der fleißigen Neonatalie habe ich heute auch mal neugierig geguckt, was Leute eigentlich gesucht haben, wenn sie bei mir landen…

“mann darf nicht zum schlafen in einen müllcontainer steigen”
Rrrrichtig. Männer dürfen auch nicht weinen und keine Röcke tragen.

“was bekomme ich wenn ich gebe”
Wenn du mit dem Ansatz rangehst, auf alle Fälle weniger, als du gerne hättest.

“kinderlose”
da biste hier definitiv falsch. Ich bin reich an kreativem Kind.

“adjektive urlaub”
Was haben wir damals im Gymnasium eigentlich ohne das Internet gemacht?

“ich brauchte den schinken. wirklich!” “
Und ich hatte mich schon gewundert, wo er ist … aber schön, dass du was damit anfangen konntest…

“fahrrad&wegtragen”
Ich würd mir eher merken, wo ich den Schlüssel hintrage, obige Methode wär mir zu anstrengend…

“bettina wulff urlaub”
Keine Ahnung. Im Zweifel: einfach mal die Leute in Ruhe lassen, machen wir hier auf der Insel auch.

“schaut in leere kiste”
Das ist nach meinen Umzug auch jedes Mal wieder ein kleines Highlight.

Ich habe mir heute morgen Salat und Tomaten gekauft.
Im Supermarkt quillt das Biogemüseregal über, wie schade um all die Früchte, die nur wegen uns wachsen mussten und nun für ein Ende auf der Mülldeponie vorgesehen sind.
Die belegten Brötchen beim Bäcker sind langweilig wurst-oder käsefarben. Kein Grün mehr. Kein Rot. Kein Gelb.

Und wie bizarr, dass die Leute jetzt konsequent keinGemüse mehr essen, wohl aber ihre Zigaretten rauchen, in ihre Autos steigen und zur Autobahnauffahrt rasen und  am Abend zur Entspannung ein wenig zellgefährdenden Ethanol eingießen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass mich einer unserer urlaubenden Sonntagsfahrer hier auf der Insel überfährt, dürfte jedenfalls um eines höher liegen als dass ich rein zufällig eine EHEC-Tomate erwische.

Und … lecker wars!

An diesem Wochenende ist es mir zum ersten Mal in diesem Leben passiert, dass ein Film mein Leben verändert.

Wir haben aus der Bücherei einen Film ausgeliehen. Das passiert bei uns so eher beiläufig. Das Cover gefällt oder es spielt jemand mit, den wir mögen.
Blickfang war die Plastikente auf dem Cover. Eingepackt. Frau M. an der Ausleihe nickte versonnen und meinte, den Film habe sie kürzlich gesehen, der sei sehr gut. Sie habe danach festgestellt, dass es kaum noch Getränke in Glasflaschen gebe.
Na, klingt ja vielversprechend. Und die junge Dame beschäftigt sich im Erdkundeunterricht ohnehin gerade mit Umweltverschmutzung. Also kommt der Film ganz oben auf die Liste.

An diesem Wochenende war es dann soweit.
Und nachdem der Film sich etwas zäh anließ, packte er uns nach zehn Minuten umso mehr.
Bedrückend-schöne Bilder der größten indischen Müllkippe und ein Blick auf den Schauplatz von Gladiator, wenn gerade nicht gedreht wird, machen deutlich, was jeder von uns sehen kann, wenn er oder sie nur sehen will: wir leben in der Plastikzeit.

Sehen und sich von dem Film berühren lassen muss jeder selbst. Daher hier nur ein paar Dinge, die für mich am eindringlichsten waren.

Da war der Atlantik, still und schön, blau und friedlich. Irgendwo weit draußen. Eine Viertelstunde lang wurde ein Behälter durch das Meer gezogen. Dann war er voller Plastikteilchen.

Die Aussage, dass kein Kunststoff bewiesen ungefährlich sei und dass aber bis zu dem Punkt, an dem die Gefahr wissenschaftlich belegt sei, der Stoff weiterverwendet werden darf.

Die Tatsache, dass Bisphenol A Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat.
Spannend für all die unerfüllten Kinderwünsche. Aber würde es hier nicht soviel mehr Sinn machen, das ohnehin bereits geschädigte Erbgut dann nicht mehr weiterzugeben, so wie die Natur das eigentlich gerne hätte?

Die junge Dame in unserem Haushalt jedenfalls stand nach dem Ende des Films auf, ging durch die Wohnung und ihr Zimmer und hat gleich so einiges entsorgt, die ethische Frage, ob man giftige Stoffe (in diesem Fall Tonnen von Playmobil) weiterverkaufen darf oder ob man damit sein Karma dreckig macht, durchdacht und deutlich darum gebeten, eine Edelstahltrinkflasche einzukaufen.

Und ich?
Ich bin heute in der Mittagspause schnell einkaufen gegangen, schon für das Abendessen. Es sollte warmes Naanbrot mit Tomaten und Schafskäse geben, außerdem hatte ich Hunger, dafür gab es einen Lassi, einen Smoothie und ein paar Äpfel.
Tja. Und nun versuch mal, das alles ohne Plastik drumherum zu bekommen … unmöglich. In einer größeren Stadt mit Markt und Bioladen vermutlich kein Problem … aber hier schon.

Im Getränkemarkt hätte ich gerne eine Limonade in Glas gehabt.  Nein, keine Fritz, zu klein für die Arbeit. Aber ein dreiviertel Liter vielleicht? Gabs es doch grad neulich noch überall … nein?

Nein. Keine Glasflaschen mehr. Stattdessen nuckeln wir geheime Bestandteile aus Kunststoffen heraus.

Ich sehe nur noch Plastik … alles ist nochmal irgendwie eingewickelt, verschweißt, frischgehalten und bedruckt … und das ist alles so normal für uns.  Gibt es Gurken überhaupt noch ohne Gemüsekondom?

Ich bin gespannt, welche Veränderungen sich in unser Leben nach diesem Film einschleichen werden.

Eines ist auf alle Fälle sicher: so wie das Leben vor “Plastic Planet” war, kann es nie wieder sein. Und diese Erfahrung wünsche ich allen, die dies hier lesen. Denn wenn nach dem Film jeder nur ein kleines Stück bewusster einkauft, dann ist das eine kleine Revolution (mit tanzbarer Musik).

www.plastic-planet.at

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